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“Malerei 2011/2012″

Ihr künstlerischer Weg hat Sabine Endres konsequent in die Abstraktion geführt. Waren auf den Bildern der letzten Jahre noch geheimnisvolle Grundrisse oder architektonische Anmutungen zu entdecken, so hat sie sich nun endgültig von allem Gegenständlichen entfernt.
Geblieben sind die sinnlich-lebendigen, vielgestaltigen Oberflächen, die durch das Wechselspiel von Hinzufügen und Abtragen entstehen; geblieben ist auch der intuitive Entstehungsprozess, in dessen Verlauf die leidenschaftliche Malerin Eindrücke und Empfindungen, Erfahrungen und Erwartungen, Erinnerungen und Visionen im Bild visualisiert.
Unergründliche Tiefe und Räumlichkeit suggerieren Bildelemente, die auf lichte, durchscheinende Flächen treffen. Ohne oberflächliche Effekte kommt diese unkonventionelle Malerei daher, die aus der sicheren Erfahrung malerischer Gesetze heraus entsteht.
Sabine Endres verwendet Malmittel, die sich eigentlich nicht miteinander vertragen, auf der Leinwand aber eine ganz spezielle Wirkung erzeugen. Weitgehend ausgedient hat der Pinsel, statt dessen kommen Schwämme beim Farbauftrag zum Einsatz; Klebebänder und Papiere bändigen und steuern die Farbe, die sie in dünnen Schichten über den Malgrund fließen lässt. So entstehen die vertikalen Linien und Schlieren im Bild, die stilprägend für die aktuelle Werkreihe sind. Erfundene Zeichen, Farb-Rhythmen und unterschiedliche Materialien fügen sich dabei zu gestisch-bewegten, frisch-verspielten Gestaltungen.
Pastellige Mischfarben und Komplementärkontraste dominieren das Geschehen auf der Leinwand, wo die Künstlerin mit sicherer Hand Flächen organisiert und in ein Spannungsverhältnis zur Linie setzt. Dabei treten die divergierenden Bildelemente in einen Dialog miteinander und bilden im fertigen Gemälde einen vielstimmigen, harmonischen Gesamtklang. Aus der hinab rinnenden Farbe lassen sich Spuren, Wege oder Kraftlinien lesen, die in die Unendlichkeit führen, oder vielschichtige Topographien und Bewegungsspielräume, die sich jenseits der sichtbaren Welt auftun.
Das Bildgeschehen ist häufig auf die Mitte konzentriert und hellt sich zu den Rändern hin auf. Sabine Endres signalisiert damit eine positive, optimistische Haltung. Ihre neuen Bilder beziehen ihre Anziehungskraft aus ihrer Unergründlichkeit und Nachdenklichkeit, aus ihrer Konzentration und durchdachten Reduktion.

Hanna Styrie M.A., im Mai 2012