VON DER SCHWERE GEISTIGER LEICHTIGKEIT

„Losgelöst“ nennt Sabine Endres ein Objekt, das sich aus einem dreigeteilten Holzkorpus nach oben hin aufzulösen scheint. Aus filigranen Drähten geformt, heben sich leiterähnliche Strukturen in die Höhe, die einzelne Holzplättchen tragen und sich schließlich in größerer Anzahl verdichtet in alle Richtungen hin dynamisch verteilen. Der Raum im Objekt steht für Freiheit, wobei die bewegte Linie als wesentliches Mittel eingesetzt wird, um Immaterialität und Schwerelosigkeit auszudrücken.

Sabine Endres zeigt in allen hier gezeigten Objekten eine durch metallische Linien nach Oben hin strebende Leichtigkeit, die im deutlichen Gegensatz zu den aus hölzernen Objets trouvés bestehenden Basiskörpern stehen. Diese Gegensätze von Massivität und Transparenz versinnbildlichen Stillstand und Bewegung, Erstarrung und Freiheit. Darauf nehmen die jeweils zwei Objekte umfassenden Arbeiten „Fragile Freiheit“ und „Räume – Gänge – Ebenen“ ebenfalls Bezug: Die an Architektur erinnernden Holzkuben werden durch Drähte in einem imaginären Raum luftig fortgesetzt, der durch feine Holzblätter entweder etagenartig unterteilt wird oder sich segelförmig im Winde zu bewegen scheint.

Sabine Endres schafft mit diesen Skulpturen nicht nur Sinnbilder geistiger Freiheit, sondern symbolisiert damit auch den mühevollen Weg dahin, der sowohl Befreiung im weitesten Sinne als auch Verantwortung für das eigene Sein und Handeln beinhaltet.

Alexandra Wendorf, im Oktober 2018

 

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